Vitalität Bienen

Obwohl man aus genetischer Sicht unterscheiden muss zwischen Krankheitsbefall, Lebensschwäche, Lang- oder Kurzlebigkeit der Einzelbienen des jeweiligen Volkes, sind beide Eigenschaften in der Praxis selbstverständlich in hohem Masse gekoppelt. Lebens schwache (Inzucht) Bienen haben oft auch Krankheitsprobleme während der kritischen Frühlingsphase, wo der Übergang vom Wintervolk zum Sommervolk erfolgt.  Ganz anders die Anfälligkeit gegenüber Viren.  Akute und schleichende Viren können Bienenvölker gerade auch während der Vollentwicklung im Hochsommer befallen.  Man erkennt dies in einem plötzlichen Schwund der Volksstärke, gewöhnlich nach der Frühtracht oder während einer Waldtracht (z.B. Schwarzsucht durch Pollenmangel).  Aus irgendwelchen unbekannten Gründen fördert die Waldtracht den Virenbefall, dies ganz besonders während der Phase der höchsten Brutausdehnung.  Die Intensität der Brutpflege lässt beim Einsetzen einer massen Tracht nach, das Bienenvolk stellt dann in größerem Umfang Bienen von anderen Arbeiten frei, für die Trachtnutzung.

Eine neue Dimension findet der Virenbefall auch im Zusammenhang mit der Varroatose.  Wir wissen heute, daß unbehandelte Bienenvölker nicht oder kaum an den direkten Schäden der Varroamilben zugrunde gehen, sondern vielmehr an Sekundärinfektionen, in der Hauptsache viralen Erkrankungen. Befallen werden Brut wie auch die erwachsenen Bienen. Durch das Anstechen der Brut und der Erwachsenen Bienen können Viren direkt in den Körper eindringen und müssen nicht mehr den Weg über das Verdauungssystem machen.

Bewertung Vitalität Bienen

Bewertet wird das Verhältnis der Bienenpopulation zur aufgezogenen Brutmenge, ist gleich die Langlebigkeit der Einzelbiene. Berücksichtigt wird dabei der Bienenabgang nach einer intensiven Trachtnutzung sowie das Regenerationsvermögen des Bienenvolkes in der Zeit nach dieser Trachtphase. Zeigen sich unter normalen Verhältnissen irgendwelche sichtbaren Krankheitsanzeichen, wird das Volk sofort deklassiert.  Jahres- und Standortbedingt muß man bezüglich viraler Erkrankungen differenziert vorgehen (Standort, Waldtracht ja - nein).  Zeigen sich im Spätsommer/Herbst Varroaschäden bei normalem Varroabefall, wird die Sommerbewertung korrigiert.

Zuchtziel Vitalität Bienen

Das Zuchtziel ist klar: starke, ertragreiche und vitale Völker ohne Krankheitsanzeichen der Brut und der erwachsenen Biene oder Königin.

Dem Zuchtziel sehr nahe sind wir bezüglich aller erwähnten Faktorenkrankheiten im Frühjahr (z.B. Nosema, Kalkbrut).  Winterverluste durch multifaktorielle Einflüsse sind ein ernst  zu nehmendes Thema. Verbesserungswürdig ist in erster Linie die Resistenz gegenüber Viren im Hochsommer, besonders im Hinblick auf die Varroatose spielen hier der Flügledformationsvirus und der akute Paralysevirus eine entscheidende Rolle. Aber auch generell langlebigere Bienen wären/sind ein lohnendes Zuchtziel.  Hier sind Bedenken unter Schwarmverhalten mit einzubeziehen (Wechselwirkungen).

Vitalität Brut

In der Regel bedeutet eine geschlossene Brutnestanlage gesunde und vitale Brut. Kranke Brutzellen werden von den Bienen entfernt.  Dadurch entstehen Brutlücken.  Im Vordergrund aller sichtbaren Brutkrankheiten steht die Kalkbrut und Steinbrut, ein Pilzbefall, der sofort durch die weißen Mumien im Bodenbrett und am Flugloch ersichtlich wird.  Auch Sackbrut (Virus) tritt gelegentlich auf.  Die Ausgangssituation ist vergleichbar wie unter Vitalität der Bienen.  So gibt es beispielsweise kaum ein Bienenvolk, in dem man unter extremsten Bedingungen (z. B. während der Frühjahrsentwicklung bei Kälterückschlägen im April, oder bei anderen Streßfaktoren) nicht einzelne Kalkbrutmumien finden könnte.

Brutlücken entstehen aber nicht nur durch Brutkrankheit, sondern genauso bei Inzucht, durch gleiche Sexallele sowie durch schwer definierbare Letalfaktoren (Absterben der Eier einer Königin, je älter die Königin, umso häufiger). Da beides unter Praxisbedingungen kaum voneinander zu unterscheiden ist, können nur sichtbare Brutfehler in die Bewertung einfließen.

Ein Problem stellt sich bezüglich Varroatose: eines der sinnvollsten Auslesekriterien besteht im Ausräumverhalten der befallenen Brutzellen.  Auch dadurch wird das Brutbild löcherig.  Man muß folglich den Varroabefall bei der Brut-Beurteilung in Betracht ziehen, ganz besonders zu fortgeschrittener Jahreszeit. Der Varroabefall erreicht seinen Höhepunkt im August / September, wo die Brutflächen der Bienenvölker kleiner werden. Der allmähliche Rückgang der Bruttätigkeit beginnt mit der Sommersonnenwende.

Bewertung Vitalität Brut

Die Bewertung der Brut und Brutnestanlage erfolgt im Frühjahr bis Sommer, in Phasen der höchsten Brutausdehnung.  Die Höchstnote kann nur vergeben werden, wenn auch während kritischer Phasen keinerlei Brutkrankheiten sichtbar sind. Punkte Abzug erfolgt sofort, wenn bei normal guten Wetter- und Trachtperioden deutliche Brutdefekte sichtbar sind.  Bei Reinzucht und Inzucht finden sich gelegentlich Brutnestbereiche, wo die entwickelte schlüpfreife Brut nicht schlüpffähig ist.  Auch hier erfolgt ein Abzug.  Im Hochsommer, bei steigendem Varroadruck ist die Beurteilung aus oben erwähnten Gründen schwierig.

Zuchtziel Vitalität Brut

Keine sichtbaren Anzeichen von Brutkrankheit.  Ausräumen der Zellen bei Schädlingsbefall (Varroa, hohe Bruthyg.).

Aktueller Stand Vitalität Brut

Die Buckfastbiene überbrückt Brutdefekte aller Art durch die großen Volksstärken. Innerhalb der vergangenen Jahre haben wir eine deutliche Verbesserung in der Kalkbrutanfälligkeit und Varroaresistenz erzielt, ohne Anspruch auf Perfektion. Heute befinden sich unsere Buckfastzuchten auf dem gleich hohen Stand wie namhafte Herkünfte anderer Bienenzucht Rassen (Unterarten).